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Wenngleich wir in einer Demokratie leben, haben wir längst aus den Augen verloren, dass Rechte auch mit Pflichten einhergehen. Diese Haltung verkörpert niemand besser als unsere gegenwärtige Stadtgesellschaft. Während wir alle das Recht auf Mitbestimmung und Beteiligung fordern, sind es nur wenige, die sich aktiv in die jeweiligen Prozesse einbringen. Ob Bürger:in, Quartiersmanager:in oder Politiker:in – unsere Stadt ist (und bleibt) die Summe aller Teile und eben doch nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette. Ist es Zeit für eine neue Haltung?

Machen wir uns nichts vor: Ohne einen maßgeblichen Beitrag der Bauwirtschaft werden wir die Klimaziele nicht erreichen. Um dem entgegenzuwirken gilt es den Fokus nicht nur auf ressourcenschonende Baumaterialien zu richten, sondern auch Aspekte der Digitalisierung sinnvoll in Bauprozesse zu implementieren. Nur so kann es gelingen sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich zu bauen. Und auch wenn BIM, Cradle-to-Cradle oder zirkuläres Bauen bereits zur alltäglichen Praxis gehören, bedarf es weiterer Innovationen und Mut seitens der verantwortlichen Akteur:innen um auch dem Bausektor eine verantwortungsvolle Rolle zu übertragen.

Fair Play! Ende 2020 wurde die Neue Leipzig-Charta verabschiedet, die neben den Dimensionen einer grünen und einer produktiven Stadt auch die Dimension einer gerechten Stadt integriert. Inklusion, Chancengleichheit und soziale Teilhabe sind hier die Stichworte. Doch wie kann das in Zeiten gelingen, wo das Ringen um jeden Quadratmeter Lebensraum und die Verteilung von Investitionen oftmals eben doch zu Lasten derer geht, die ganz besonders auf Teilhabe an städtischer Infrastruktur und Gemeinwohlorientierung angewiesen sind? Ganz einfach: Indem wir Vorurteile abbauen, Minderheiten einbeziehen und mit den richtigen Planungsinstrumenten für mehr Heterogenität im Stadtraum sorgen. Immer mehr Unternehmen, Verwaltungen und Institutionen gehen hier mit guten Beispielen voran und zeigen auf, wie eine gerechte und inklusive Stadt der Zukunft schon heute aussehen kann.

Für mehr Bodenhaftung! Der Kampf um Bauland läuft zu Höchstformen auf. Nie war die Ressource Boden so wertvoll und derart hart umkämpft wie jetzt. Nie der Wunsch nach einem Einfamilienhaus in Zeiten platzender Metropolen kritischer zu betrachten. Nie der Bedarf an Neubauaktivitäten und gleichzeitige Behebung von Leerstandquoten dringender. Zwischen Instrumentarien wie Mietpreisbremse, einem novellierten Baulandmobilisierungsgesetz oder kommunalen Neuregelungen von Erbbaurechten stellt sich schlussendlich eine entscheidende Frage: ist der Boden noch für alle da? Wie kann das Spekulationsobjekt Boden zukünftig zu einem gemeinsamen Vermögen der Stadtgesellschaft werden? Weg von einem Kampf zwischen privater Immobilienwirtschaft, städtischer Verwaltung und Bürgerschaft, hin zu einem gemeinsamen Nenner.

In puncto „Wohnen“ sind nicht nur die Geschmäcker verschieden, sondern auch die Ausgangsbedingungen. Die einen träumen vom Eigenheim am Stadtrand oder gar auf dem Land. Die anderen von einem Zuhause inmitten pulsierender Urbanität. Ob eher anonym oder in ein nachbarschaftliches Netzwerk integriert – jede Wohnform ist eingebettet in einen spezifischen räumlichen Kontext. Das „urbane Quartier“ gilt nicht selten als gangbares Zukunftsszenario. Hinzu kommen Diskussionen zu Flächenknappheit, hohen Mieten, attraktive Freiraumgestaltung und Infrastruktur. Wir beleuchten den IST-Zustand und fragen nach dem Ideal-Zustand.

Nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie leiden deutsche Innenstädte unter einem zunehmenden Attraktivitätsverlust. Zur Monotonie der mit Shopping-Ketten überfrachteten Einkaufsstraßen gesellen sich verlassene Ladenlokale. Wo einst inhabergeführte Boutiquen, Geschäfte, Bars u.ä. für ein vielfältiges und attraktives Angebot und Erscheinungsbild sorgten, fordert uns der Leerstand dazu auf, unsere Idee der „lebendigen Innenstadt“ nicht nur Vision sein, sondern Realität werden zu lassen. Hierzu gehört unausweichlich nicht nur eine gesunde Nutzungsmischung und eine Neubetrachtung räumlicher sowie architektonischer Strukturen (Potenzial des Erdgeschosses etc.), sondern auch die attraktive Gestaltung öffentlicher Räume und die Frage nach geeigneten Mobilitätskonzepten zur Versorgung der Innenstadt. Grün, vital, attraktiv, nachhaltig u.v.m. – die Wunschliste der Eigenschaften für unsere „neuen Innenstädte“ könnte noch weiter fortgeschrieben werden. Doch: Der Weg ist das Ziel! Wie sieht er aus?